Die besten Märkte in Friedrichshain und Kreuzberg

Erlebt eine Renaissance: die Markthalle IX in Kreuzberg (Illustration: Rolf Schröter) Erlebt eine Renaissance: die Markthalle IX in Kreuzberg (Illustration: Rolf Schröter)

Vom Nacht- bis zum Naschmarkt, von der Street-Food-Party an der Spree bis zur Markthalle von 1891: Friedrichshain-Kreuzberg und die angrenzende Umgebung hat sich zur Region mit den originellsten Basaren Berlins entwickelt - hier die zehn herausragendsten.

1. Trödelmarkt und Wochenmarkt Boxhagener Platz

Der Kiez rund um den Boxhagener Platz boomt – und mit ihm der dortige Trödel- und Flohmarkt an Sonntagen. Zusammen mit dem Mauerpark-Markt ist er längst der beliebteste Ost-Berlins. Dazu beigetragen dürfte haben, dass sich eine Runde um das als Gartendenkmal geschützte Rechteck mit einem Drink in einem der Cafés nahe der Simon-Dach-Straße verbinden lässt. Eltern schätzen den integrierten Spielplatz, Schnäppchenjäger die Buch-, Schallplatten-, T-Shirt- und Kleinmöbel-Stände und Kleinkunst-Interessierte die gelegentlichen musikalischen und akrobatischen Darbietungen.

Weitaus länger als der Trödelmarkt besteht am selben Ort der Wochenmarkt, seit 1905. An Samstagen gibt es dort neben üblichen Marktwaren auch Snacks wie Grill-Steckfisch, Raclette-Brot und Tartes. Das Angebot ist bodenständiger und günstiger als auf den anderen beiden großen Wochenmärkten Ost-Berlins, am Kollwitzplatz und am Hackeschen Markt. Dafür haben die Friedrichshainer schon frühzeitig gekämpft: Bereits 1915 protestierten Arbeiterfrauen erfolgreich bei Behörden gegen hohe Preise für Brot, Gemüse und Butter auf dem Boxhagener Platz.

Termine: Trödel- und Flohmarkt sonntags 10 bis 18 Uhr, Wochenmarkt samstags 9 bis 15.30 Uhr.
Adresse: Gabriel-Max-Straße Ecke Krossener Straße, 10245 Berlin, Friedrichshain
Lage: Boxhagener Platz bei Google Maps
Anfahrt: U1 bis Warschauer Straße, U5 bis Samariterstraße, Tram M10 bis Warschauer Straße Ecke Grünberger Straße

2. Nowkölln Flowmarkt und Türkischer Markt

Erst 2010 wurde der “Flowmarkt” an der im Aufschwung begriffenen Grenze der Stadtteile Kreuzberg und Neukölln (“Kreuzkölln”) ins Leben gerufen. Den Namen wählte der Veranstalter, nachdem die Behörden die Bezeichnung “Flohmarkt” für die Plakate seines Kunst- und Trödelmarktes ablehnten. Idyllisch am Maybachufer des Landwehrkanals zwischen Friedel- und Pannierstraße gelegen, wuchs er schnell vom kleinen Nachbarschafts-Flohmarkt zum Treffpunkt für Jung-Designer und Second-Hand-Anhänger. Wie am Mauerpark lauschen auch hier viele junge und internationale Besucher Live-Bands bei Rhabarber-Schorle oder Brownies. Ein Unikat ganz anderer Art ist der am selben Ufer dienstags und freitags stattfindende türkische Wochenmarkt. Von den Berlinern  ”Türkenmarkt” genannt, ist er für seinen orientalischen Flair und seine günstigen Preise bekannt.

Termine: Flowmarkt jeden 1. und 3. Sonntag im Monat, 10 bis 18 Uhr, pausiert im Winter, Türkischer Wochenmarkt jeden Dienstag und Freitag, 11 bis 18.30 Uhr.
Adresse: Maybachufer 31, 12047 Berlin, Neukölln/ Grenze zu Kreuzberg
Lage: Nowkölln/ Türkischer Markt bei Google Maps
Anfahrt: U8 Schönleinstraße
Website: www.nowkoelln.dewww.tuerkenmarkt.de

3. Bite Club

Das Konzept, einen Street-Food-Markt mit einer lässigen Open-Air-Party zu verbinden, hat der britische Gastrokritiker Tommy Tannock aus dem New Yorker Brooklyn nach Berlin importiert – und wurde damit sofort von Besuchern überrannt. Bei seinem “Bite Club” bieten Trucks frische internationale Snacks für 4 bis 6 Euro in malerischer Spreeufer-Lage vor der Arena an, wo die drei Stadtteile Friedrichshain, Kreuzberg und Treptow aufeinandertreffen. Inzwischen veranstaltet er den Markt auch hinter der Platoon Kunsthalle in Mitte. Die Location an der Arena ist allerdings spektakulärer: Wer nach einer langen Schlange vietnamesische Bánh-bao-Klößchen, japanische Okonomiyaki-Fladen, Shrimps-Burger oder Gurken-Zitronen-Eis ergattert hat, kann auf dem Deck der MS Hoppetosse mit Cocktail in der Hand und Blick auf die Spree bei Club-Sounds zubeißen. Da das viele wollen, ist frühes Kommen ratsam.

Termin: zweimal im Monat freitags 18 bis 24 Uhr, pausiert im Winter
Adresse: Eichenstraße 4, 12435 Berlin, Treptow
Lage: Bite Club bei Google Maps
Anfahrt: S-Bahn bis Treptower Park oder U1 bis Schlesisches Tor
Website: www.biteclub.de
Eintritt: 1 DJ-Euro beim ersten Getränk

4. Markthalle IX

Die 1891 eröffnete Kreuzberger Markthalle ist eine der letzten drei alten in Berlin und feiert seit einigen Jahren eine Renaissance. Im Zweiten Weltkrieg kaum beschädigt, verkam das denkmalgeschützte Gebäude seit den siebziger Jahren zunehmend. Drei private Betreiber kauften der Stadt die Halle ab, sanierten sie und eröffneten sie 2011 wieder. Seitdem bietet sie freitags und samstags wieder einen Wochenmarkt in historischem Charme, mittags Lunch-Angebote, donnerstagabends den viel gelobten Street Food Thursday mit hochwertigen Imbissen aus aller Welt sowie vierteljährlich einen Naschmarkt. Dabei wäre es fast anders gekommen: Ein Investor wollte die Halle abreißen und ein Einkaufszentrum mit Tiefgarage errichten.

Termine: Wochenmarkt freitags und samstags 10 bis 18 Uhr, Street Food Thursday donnerstags 17 bis 22 Uhr, Kantine und Café montags bis samstags 10 bis 16 Uhr, Naschmarkt vierteljährlich
Adresse: Eisenbahnstraße 42/43, 10997 Berlin, Kreuzberg 
Lage: Markthalle IX bei Google Maps
Anfahrt: U1 bis Görlitzer Bahnhof oder Schlesisches Tor, Bus 140 bis Wrangelstraße
Website: www.markthalleneun.de

5. RAW-Flohmarkt

Zwei gut besuchte Flohmärkte am selben Tag im Abstand von ein paar Hundert Metern – das gibt es nur im Boxhagener Kiez. Erst 2010 eröffnete der sonntägliche Flohmarkt auf dem Areal der ehemaligen Reichsbahn-Ausbesserungs-Werkstatt (RAW), das Clubs, Ateliers, Bistros und eine Skatehalle beheimatet. Einige Besucher kommen nach dem Bummel über den Markt am Boxhagener Platz noch einmal hier vorbei. Andere kommen wegen des größeren Anteils an Privatverkäufern, des geringeren Andrangs und den individuellen Cafés zwischen Graffiti-Backsteinruinen gleich hierher. Die Backpacker-Bibel Lonelyplanet.com lobt die “haufenweisen Schnäppchen”.

Termin: Sonntags von 8 bis 19 Uhr
Adresse: Revaler Straße Ecke Simon-Dach-Straße
Lage: RAW-Flohmarkt bei Google Maps
Anfahrt: U1 oder M10 bis Warschauer Straße
Website: Facebook-Profil des RAW-Marktes

6. Voodoo Market

Anders als der Name vermuten lässt, verbirgt sich hinter dem Voodoomarkt seit 2010 ein Mode- und Kreativ-Basar der umtriebigen Berliner Designer-Szene. Die Initiatoren wählten den Namen, weil er anfangs nur draußen stattfand und sie über Voodoo-Zauber für sonniges Wetter scherzten. Dass der Markt noch immer keinen festen Austragungsort hat, konnte seiner Beliebtheit bisher nichts anhaben. Anstatt Hausrat privater Verkäufer sind hier vorwiegend Vintage-Kleidung und handgemachte Accessoires zu finden, etwa Knopfketten, Schmuck aus Knochen und mit Achtziger-Jahre-Filmtiteln bedruckte T-Shirts. Wer will, kann sich Haare stylen, tätowieren lassen oder auf einen Gewinn bei der Benefiz-Tombola hoffen.

Termine: alle drei Monate, 11 bis 19 Uhr, Termine auf der Website
Adresse: wechselnd
Website: www.voodoomarket.wordpress.com
Eintritt: 1 Euro, Kinder gratis

7. Kreuzboerg Flowmarkt

Der kleinere Ableger vom “Nowkoelln”-Marktes ist alle zwei Wochen in den Kreuzberger Prinzessinnengärten zu Gast. Jahrzehntelang lag die Fläche am Moritzplatz brach, bis Anwohner sie 2009 als Garten bewirtschafteten und Bienen ansiedelten. Das Repertoire aus Vintage und Do-It-Yourself-Design unterscheidet sich kaum von ähnlichen Märkten. Die ruhige, grüne Lage zwischen Hunderten Beeten macht diesen jedoch zu einem der entspanntesten Trödelmärkte in Berlin. Wer an den aus Bierkästen gebauten Tischen einen Tee mit Minze trinkt, kann sicher sein, dass diese frisch aus dem Beet kommt.

Termin: jeden 2. und 4. Sonntag im Monat, 10 bis 18 Uhr, außer imWinter
Adresse: Moritzplatz, 10969 Berlin, Kreuzberg
Lage: Flowmarkt bei Google Maps
Anfahrt: U8 bis Moritzplatz 
Website: www.kreuzboerg.de

8. Nachtflohmarkt im SO36

In Asien und amerikanischen Chinatown-Vierteln sind Nachtmärkte gang und gäbe, in Deutschland existieren sie nahezu nicht. Die Möglichkeit, nach der Arbeit oder beim abendlichen Kneipenbummel in der Kreuzberger Oranienstraße auch bei Regen gratis ein paar Stände in einem legendären Punk-Club wie dem SO36 entlang schlendern zu können, ist die eigentliche Besonderheit dieses Flohmarktes. Er ist übersichtlich – und wahrscheinlich der einzige mit einer kostenlosen Sozialberatung („Dr. Hartz“).

Termin: einmal im Monat an einem Mittwoch, 20 Uhr
Adresse: SO36, Oranienstraße 190, 10999 Berlin, Kreuzberg
Lage: SO36 bei Google Maps
Anfahrt: U1 bis Görlitzer Bahnhof, U1 oder U8 bis Kottbusser Tor, Bus 140 bis Oranienstraße Ecke Adalbertstraße
Website: www.so36.de/regulars/nachtflohmarkt

9. Ökomarkt Chamissoplatz

Inmitten von denkmalgeschützten Gründerzeit-Häuern liegt dieser von Anwohnern ins Leben gerufene Öko-Markt in Kreuzberg. Er entstand bereits 1993, lange bevor Bio-Lebensmittel in Deutschland ein Massenmarkt wurden. Die neuen Bio-Discounter in seiner Nähe und die Übernahme durch einen professionellen Betreiber konnten seiner Beliebtheit nichts anhaben. Das könnte daran liegen, dass die Lebensmittel und Öko-Haushaltswaren wie handgemachte Besen, Filzpantoffeln und Holzspielzeug für viele eher Nebensache sind. Der Markt ist ihr Nachbarschaftstreffpunkt, auf dem sich bei Dinkelwaffeln und Yogitee Neuigkeiten austauschen lassen, während die Kinder auf dem angrenzenden Spielplatz toben.

Termin: samstags 9 bis 15 Uhr, außer im Winter
Adresse: Chamissoplatz, 10965 Berlin, Kreuzberg
Lage: Chamissoplatz bei Google Maps
Anfahrt: U7 bis Gneisenaustraße, U6 bis Platz der Luftbrücke
Internet: www.oekomarkt-chamissoplatz.de

10. Antikmarkt am Ostbahnhof

Neuwaren sind auf diesem verkehrszentral am viel befahrenen Ostbahnhof gelegenen Antik- und Trödelmarkt Tabu. Vieles stammt direkt aus Wohnungsauflösungen oder vom Dachboden. Am einstigen Hauptbahnhof Ost-Berlins lassen sich historische Relikte wie Uniformen, Briefmarken, Münzen, Postkarten, Bücher und Orden entdecken, insbesondere aus der DDR. Der Trödelmarkt an der Straße des 17. Juni mag größer sein und exquisitere Antiquitäten anbieten – hier, an der Nordseite des Ostbahnhofs, ist es allerdings günstiger.

Termin: Sonntags von 9 bis 17 Uhr
Adresse: Erich-Steinfurth-Straße 1, 10243 Berlin, Friedrichshain 
Lage: Antikmarkt bei Google Maps
Anfahrt: S5 und S7 bis Ostbahnhof
Website: www.oldthing.de

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