Einkaufszentrum an “O2 World” soll 2017 eröffnen

So soll das geplante Einkaufszentrum in Friedrichshain aussehen (Simulation: Freo Group). So soll das geplante Einkaufszentrum in Friedrichshain aussehen (Simulation: Freo Group).

Immer wieder wechselten die Partner für das geplante Einkaufscenter an der Warschauer Brücke. Nun plant Projektentwickler Freo im Auftrag einer Luxemburger Firma den Baubeginn im Frühjahr – und hofft mit Nahversorgung und junger Mode auf 96 Millionen Euro Umsatz im Jahr.

Jahrelang verzögerte sich der Baubeginn, doch nun soll es wirklich losgehen: Der Gewerbeimmobilien-Entwickler Freo Group will ab Frühjahr 2015 auf dem bisherigen Parkplatz zwischen der Warschauer Brücke und der Veranstaltungshalle “O2 World” das zweitgrößte Einkaufszentrum des Berliner Bezirks Friedrichshain-Kreuzberg mit rund 120 Läden errichten.

Finanziert wird das 140 Millionen Euro teure Projekt vom Luxemburger Unternehmen Forum Invest S.à.r.l., teilte Eva Katrin Maier, Sprecherin der für die Vermietung und die Öffentlichkeitsarbeit beauftragten Firma Fokus Development auf Kreuzhainer-Anfrage mit. Die Eröffnung ist für Herbst 2017 geplant. Nach einer Anlaufphase von rund zwei Jahren soll die Investition 96 Millionen Euro Umsatz im Jahr einbringen.

Anfang 2015 soll der Name des Centers feststehen. Einen Spitznamen hat es allerdings bereits jetzt, vor dem ersten Spatenstich: Seitdem nun die Entwürfe bekannt sind, sprechen viele von “dem Raumschiff”. Ähnliche Assoziationen (“Ufo in der Wüste”) hatte die “O2 World” nach ihrer Eröffnung 2008 hervorgerufen.

Auch in Punkto Größe orientiert sich das geplante Einkaufszentrum an der benachbarten 60.000 Quadratmeter großen Multifunktionshalle: Allein 38.700 Quadratmeter Fläche sollen in dem neuen Bau vermietet werden, 24.800 Quadratmeter davon als Verkaufsfläche an den Einzelhandel. Zum Vergleich: Die geplante Shopping Mall entspricht damit in etwa dem Umfang des Gesundbrunnen Centers, das ebenfalls über eine Verkaufsfläche von 25.000 Quadratmetern verfügt.

Schwerpunkt auf “junger Mode”

Die Entwickler wollen die Mall neben der “wall” zum einen mit Lebensmittel-, Bio- und Drogeriehandel, lokalen Marken und einer Kindertagesstätte als Nahversorgungscenter positionieren. Zum anderen wollen sie mit Jugendmarken und dem in Shopping Centern obligatorischen Gastronomiebereich Touristen und Besucher der “O2 World” anlocken. “Der Schwerpunkt des Centers wird aber auf junger Mode liegen”, sagte Maier dem Kreuzhainer. Mitte 2015 will ihre Firma erste Mieternamen bekanntgeben.

Als symbolisch für die beiden unterschiedlichen Zielgruppen können die beiden geplanten Eingänge betrachtet werden. Einer soll auf der Seite der Warschauer Brücke zu finden sein, wo jeden Tag mehr als 85.000 Menschen in S- und U-Bahnen umsteigen und der größere Teil der Anwohner lebt. Der andere ist auf der Seite der “O2 World” geplant, wo jedes Jahr Hunderttausende Besucher zu Konzerten und Sportveranstaltungen strömen, weitere Hunderttausende Touristen das Mauerdenkmal East Side Gallery besichtigen und seit den vergangenen Jahren immer mehr Angestellte in Büros arbeiten.

Das Areal zwischen East Side Gallery und Warschauer Straße hat sich in der vergangenen Dekade so rasant verändert wie kein anderes im Bezirk. Der US-Milliardär Philip Anschutz kaufte die damalige Brache von der Bahn und verkaufte wenig später die Namensrechte einer bis dahin nur geplanten Halle an den Telekommunikationskonzern O2. Seit der Eröffnung der “O2 World” 2008 konnte Anschutz zwar zahlreiche Konzerne dazu bewegen, Niederlassungen auf seinem Grundstück zwischen Mauerdenkmal und S-Bahn-Schienen zu errichten, den Namen des Mobilfunksponsors trägt die Event-Location laut “Tagesspiegel” allerdings nur noch bis maximal Mai 2015.

2013 bezog Mercedes-Benz seine Vertriebszentrale, nebenan wurde ein Parkhaus eröffnet. Ein Jahr später zog der Modeversandhändler Zalando in sein neues Hauptquartier, das Hotel Holiday Inn eröffnete. Weitere Investoren haben die Gegend an der Spree für gehobenen Wohnungsbau entdeckt. Direkt an der East Side Gallery entsteht derzeit der umstrittene Wohnturm “Living Levels” sowie ein Wohn- und Hotelriegel. Bis 2017 sollen auf dem Gelände des ehemaligen Ostgüterbahnhofs zwei weitere Türme namens “Max und Moritz” mit Wohnungen gebaut werden.

Immer wieder Entwicklerwechsel

Das Einkaufszentrum sollte den urprünglichen Plänen zufolge längst stehen. Bereits 2004 unterzeichneten der Senat und die Anschutz Entertainment Group einen städtebaulichen Vertrag für das 21 Hektar große Gesamtareal, darunter auch eine Vereinbarung über die Errichtung von 27.000 Quadratmetern Ladenfläche. Doch ab 2011 wechselten immer wieder die Partner zur Realisierung des Vorhabens.

Anfang 2012 stellte Anschutz noch Pläne für ein Zentrum namens “Spree Shopping Berlin” mit seinem damaligen Münchner Partner CKV Immobilien vor. Ein halbes Jahr später waren diese schon wieder hinfällig: Anstatt CKV sollte nun das niederländische Unternehmen Multi Development die Entwicklung übernehmen. Doch auch Multi schied wenig später wieder aus dem Projekt aus. Immer wieder wurde der Baubeginn verschoben.

Der nun erneut angekündigte Bau würde die lange Reihe kürzlich in Berlin errichteter Shopping Center fortsetzen. Die Industrie- und Handelskammer (IHK) geht auf ihrer Internetseite von inzwischen 67 Malls in der Stadt aus. Zwölf davon befinden sich im benachbarten Bezirk Lichtenberg, zehn im benachbarten Bezirk Mitte. In der unmittelbaren Umgebung der “O2 World” gibt es bereits mehrere größere Objekte zum Einkaufen: das Ring Center, das Treptower Park Center, das Alexa, Kaufhof am Ostbahnhof sowie Einzelhandel an der Warschauer Straße.

Um letzteren sorgten sich angesichts der Anschutz-Pläne bereits der damalige Bezirksbürgermeister Franz Schulz (Grüne), der Vorsitzende des Stadtentwicklungsausschusses des Bezirks, John Dahl (SPD), und die Initiative “Mediaspree versenken”. Sie warnten, das neue Einkaufszentrum werde den umliegenden Geschäften wirtschaftlich schaden.

Ströbele forderte Demos

Sonderlich beliebt ist das neue Viertel aus Büros, Hotel, Parkhaus und Veranstaltungshalle bei Anwohnern der angrenzenden Kieze bislang allerdings nicht: Das Ensemble wirke funktional, kalt und lasse Individualität vermissen, ist häufig zu hören. Der beliebteste Politiker des Bezirks, der direkt gewählte grüne Bundestagsabgeordnete Hans-Christian Ströbele, rief auf einer Kundgebung 2013 noch zum Protest gegen die geplante Entwicklung der Fläche auf: “Wir sehen hier das O2-Land und dort das Mercedes-Land. Das war nicht so gemeint mit dem Bürgerentscheid. Wir haben gesagt, das ist unser Land. Fünf Jahre nach dem Entscheid sehen wir, dass das nicht so enden darf. Wir müssen auf die Straße.”

Fokus Development gibt sich auf seiner Website verantwortungsvoll: “Eine Projektentwicklung ist oftmals ein massiver und weitreichender Eingriff in eine Stadt. Darum geht Fokus stets mit allem gebotenen Respekt für die gewachsenen Strukturen vor und integriert seine Projekte in das vorhandene Gefüge. Sie sind offen und transparent, und sie befördern den Austausch zwischen öffentlichem und privatem Raum.”

Auf die Frage, wie nach der langjährigen Debatte um die Entwicklung von Spreeufer und Anschutz-Areal die Anwohner vom Projekt überzeugt werden sollen, verweist Fokus auf einen “attraktiven Angebotsmix”, die “moderne und individuelle Fassadengestaltung aus der Feder von UNStudio Architekten, Amsterdam”, sowie die städtebauliche Verbindung zwischen Anschutz-Areal und Warschauer Brücke.

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