Festsaal Kreuzberg muss Bürobau weichen

Kein Zurück: Das Gelände des Festsaals wird wohl bebaut (Foto: César M./ CC BY-SA 2.0) Kein Zurück: Das Gelände des Festsaals wird wohl bebaut (Foto: César M./ CC BY-SA 2.0)

Kaum noch Chancen für einen Wiederaufbau des abgebrannten Clubs Festsaal Kreuzberg am bisherigen Standort: Der Eigentümer hat den Betreibern nun mitgeteilt, dass er auf dem Gelände Büros errichten will. Die Veranstalter bezeichnen die Entwicklung als "Wahnsinn".

Der im Sommer 2013 niedergebrannte Berliner Club Festsaal Kreuzberg wird aller Wahrscheinlichkeit nach nicht am bisherigen Standort am Kottbusser Tor wiederaufgebaut. Der Eigentümer teilte den vier Betreibern schriftlich mit, dass er auf dem Gelände an der Skalitzer Straße einen fünfstöckigen Bürobau namens “Palais” plane und den bisherigen Mietvertrag als beendet betrachte, sagte Mitbetreiber Björn von Swieykowski auf Kreuzhainer-Anfrage. Er bestätigte damit einen Bericht des Blogs “Mit Vergnügen”. Die Betreiber erwägen nun rechtliche Schritte, um eine Fortführung des Mietvertrags zu erreichen, schätzen ihre Erfolgschancen aber als gering ein. “Wir machen uns keine allzu großen Hoffnungen mehr.”

Trotz der Absage für ihren alten Standort beabsichtigen die Veranstalter weiterhin, den Festsaal im Stadtteil Kreuzberg wiederzueröffnen. “Wunder gibt es immer wieder”, sagt Swieykowski und verweist auf das Beispiel des Clubs Yaam. Nachdem der Jugend- und Kulturclub seinen Standort am Friedrichshainer Stralauer Platz verlassen musste, konnte er im Frühjahr gleich um die Ecke, an der Schillingbrücke, neu eröffnen.

Immer wieder mussten in den vergangenen Jahren in den benachbarten Stadtteilen Prenzlauer Berg und Friedrichshain Clubs für Wohn- und Geschäftshäuser weichen – eine Entwicklung, die sich nun in Kreuzberg fortsetzen könnte. “Es hat den Anschein, als ob das gerade symptomatisch für Kreuzberg ist, aber ich hoffe es nicht“, sagte Swieykowski. Dass an dem bisherigen Standort des Festsaals ein Büro-”Palais” errichtet werden soll, sei „eine Entwicklung, die Wahnsinn ist“.

Zuvor hatte der Eigentümer laut Swieykowski einen schriftlichen Appell der kulturpolitischen Sprecher aller Parteien im Berliner Abgeordnetehaus erhalten, in dem diese sich geschlossen für einen Wiederaufbau des Festsaals aussprachen. Das Schreiben habe den Eigentümer zwar beeindruckt, schließlich habe er sich dennoch für den Bau des Bürohauses entschieden, so Swieykowski.

Das 300 Quadratmeter große Festsaal-Gebäude diente zunächst als Holzlager, Gemüsemarkt und türkischer Hochzeitssaal. Swieykowski und seine Mitstreiter etablierten den Raum ab 2004 als Location für Konzerte, Partys und Lesungen. Künstler wie Seeed, Sven Regener, Kettcar, Heinz Strunk, J. Mascis, Mudhoney und Nina Hagen traten dort auf – bis das Haus am Abend des 20. Juli 2013 komplett ausbrannte.

300 Feuerwehrleute versuchten vergeblich, die Institution des Berliner Nachtlebens zu retten. Ein Fehler in der Elektrik hatte laut einem Gutachten den Brand ausgelöst. Die Club- und Musikszene reagierte bestürzt. Bei einer Crowdfunding-Aktion kamen bis Ende 2013 mehr als 32.000 Euro zusammen, die für Gutachter, Anwälte, Architekten und Statiker verwendet wurden.

Die Betreiber verhandelten intensiv mit dem Eigentümer, unterbreiteten ihm ein Kaufangebot sowie einen Kompromiss für einen Bürobau, der Platz für den Festsaal gelassen hätte. Zudem holten sie die Baugenehmigung zur Instandsetzung des Gebäudes ein, die durch die Absage des Eigentümers nun hinfällig ist.

Das vom Senat eingerichtete Musicboard Berlin vermittelte den Betreibern Kontakte für einen möglichen neuen Standort. Zu einem Ziel führten diese Bemühungen bislang jedoch nicht.

Kreuzhainer auf Facebook folgen

13.10.2014