Behörde untersagt “Nacht der singenden Balkone”

Shows auf Balkonen, Zugucken von der Straße - die erste "Nacht der singenden Balkone“ in Berlin-Friedrichshain fand 2013 Beachtung in ganz Deutschland. Nun verhindert das Ordnungsamt die Fortsetzung am 1. November 2014. Die Veranstalter wollen kreativ protestieren.

Die Initiatoren, das Nachbarschaftsnetzwerk Polly & Bob, verbreiteten die Nachricht vom Verbot am Freitag auf ihrer Facebook-Seite – und zeigten sich enttäuscht von der Entscheidung des Friedrichshain-Kreuzberger Ordnungsamts: “Das finden wir nicht in Ordnung. Es muss einfacher werden, sich im öffentlichen Raum zu treffen.”

Sie meldeten eine Demonstration gegen das Nein an und rufen dazu auf, am 2. November 2014 auf den Balkonen nun zu schweigen – so zumindest die offizielle Version: “Grundsätzlich darf ja jeder für sich auf dem Balkon singen, die Nachbarn auf der Route der Demo sind da nicht ausgeschlossen”, kokettieren die Betreiber des Kiezprojektes. “Wir von Polly & Bob dürfen nicht dazu aufrufen und das haben wir hiermit auch nicht getan. Wir fordern dazu auf, demonstrativ zu schweigen.”

Der Termin für die Demonstration wurde wegen einer erneut verweigerten Behördenerlaubnis von Samstagabend, 1. November 2014, auf Sonntagnachmittag, 2. November, verschoben. Der Marsch soll um 14 Uhr an der Friedrichshainer Matternstrasse Ecke Petersburger Strasse starten und zur Revaler Straße führen. Dort ist auf dem RAW-Gelände eine “After-Demo-Party” im Spirograph Club (Revaler Straße 99, Tor 4, früher M.I.K.Z.) geplant. Die entfallenen Balkon-Aufführungen sollen hier auf der Bühne vorgetragen werden.

Die erste “Nacht der singenden Balkone” hatte im November 2013 in ganz Deutschland Beachtung gefunden. Hunderte Menschen guckten sich Darbietungen auf rund 40 Friedrichshainer Loggias an. Im Mai wurde das Konzept in Ludwigshafen adaptiert und auch dort eine “Nacht der singenden Balkone” veranstaltet.

Die Premiere 2013 in Berlin war im Vorfeld nicht untersagt worden. Das Nachbarschaftsnetzwerk hatte damals keine behördliche Genehmigung eingeholt. Diesmal band es die Verwaltung frühzeitig ein – und scheiterte damit. Das Ordnungsamt habe Polly-&-Bob-Betreiber Volker Siems “unzureichende Mitwirkung” vorgeworfen, berichtete die “Berliner Zeitung”. Der Amtsleiter sei gegen das Event und besorgt um die Ruhe der Anwohner. Bereits im Dezember hatte das Ordnungsamt ein öffentliches Nachbarschaftsfrühstück des Netzwerks auf der Oberbaumbrücke kurzfristig verboten.

Bezirksbürgermeisterin Monika Herrmann (Grüne), zu deren Bezirksamt das Ordnungsamt gehört, kommentierte den neuen Fall am Freitag auf Twitter kurz: “Unerfreulich :-/”

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